Montag, 26.11. ein Jahr später


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Mein Song „the Same“ bedeutet für mich unter Anderem, dass Eintönigkeit vielleicht sogar Gleichmacherei, die Sache des Umgangs mit dem Schicksal ein wenig erträglicher macht. Das bedeutet für mich aber eben nicht, dass ich Gleichmacherei gut finde. Ein bisschen „the Same“ finde ich aber interessant, um zu ertragen dass für mich nichts mehr „the Same“ ist, seit dem ich vom Pferd einer galoppierenden Reiterin überrannt wurde.

Ein Jahr nach dem Unfall habe ich keinerlei Entschädigung erhalten. Meinem Beruf kann ich nicht mehr nachgehen. Mein Strafantrag gegen die Reiterin wurde im Februar 2012 von der Münchner Staatsanwaltschaft zu den Akten gelegt. Das zivilrechtliche Verfahren im Landgericht München ist in einer ersten Sitzung zur Beweisaufnahme Ende September 2012 stecken geblieben.

Der Versicherungskonzern des versicherten Pferdes hat mich mit Vorwürfen und Behauptungen von einer Mitschuld überzogen. Deren Anwalt weist all meine Verletzungen so zurück, als sei der Unfall am 26.11.2011 gar nicht passiert, oder als hätte ich die Verletzungen schon immer gehabt oder sie mir irgendwie selbst zugefügt. Diese Herren brauchen für solche Behauptungen keinerlei Beweise. Es reicht aus, alle Punkte meiner Klage, von meinen zerschnittenen Klamotten bis zu meinem erlittenen Sehnervschaden einfach zu bezweifeln und deren Ursache mir selbst zuzuschreiben.

Das deutsche Recht lässt die Zermürbungstaktik zu. Zur Abwehr von Versicherungsansprüchen hat sich eine Heerschar von Anwälten in riesigen Kanzleien, nahe der entsprechenden Gerichte, zusammengerottet. Sie werden von den exorbitanten Einnahmen der Versicherungskonzerne finanziert. Die großen Kanzleien beschäftigen sich mit sogenanntem Expertenwissen, worunter sämtliche Möglichkeiten der Zermürbung von Opfern und der Verfahrensverlängerung, die das juristische System hergibt, zu verstehen sind. Es ist ein Qualitätsmerkmal der spezialisierten, großen Anwaltskanzleien, die von den Versicherungskonzernen beauftragt werden, alle juristischen Möglichkeiten restlos zu nutzen, um die Haftpflichtversicherer vor der Verpflichtung zu bewahren, derer sie sich in ihren Policen brüsten, nämlich einen Schaden, wie ihn das versicherte Pferd angerichtet hat, zu „regulieren“.

Die realen Kosten, die ich bis heute für Krankenhauszuzahlungen, Arzneimittelzuzahlungen für verordnete Medikamente, Fahrten zu Arztterminen usw. bezahlt habe, werden von dem Anwalt der großen Münchner Kanzlei, die der Versicherungskonzern beauftragt hat, ebenso zerpflückt und nicht anerkannt, wie sich diese Herren nicht zu Schade sind, zu behaupten, dass laut Google Maps die Strecke zwischen meiner Wohnung und dem Krankenhaus um 3 km weniger betrage, als ich es angegeben habe.

Ich werde meiner Schadensminderungspflicht nicht gerecht, denn statt mit dem Auto hätte ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Ärzten zu fahren gehabt. Dass ich ein Schädel-Hirn-Trauma hatte und deshalb nicht öffentlich fahren konnten, wegen meiner Schwindelanfälle, weshalb mich meine Frau mit dem Auto fuhr, wird ignoriert. Stattdessen werden mir drei Kilometer vorgeworfen, die sich mit 75 Cent Kosten berechnen und daher ein Verstoß gegen meine Schadensminderungspflicht seien. Ich kann aber die angeblich von mir zu viel angegebenen 3 Kilometer nicht feststellen, denn das Ergebnis bei Google Maps bringt mir bei der kürzesten Strecke höchstens 600 Meter weniger, dafür aber ständigen Stau.

Weil der Versicherungskonzern alle von mir und meinem Anwalt schriftlich vorgelegten Beweise bezweifelt, muss mich der Richter, bei einem Beweisaufnahmetermin, zu allen Punkten meiner in der Klageschrift und den beigefügten Belegen dargestellten Kosten wegen dem Unfall, als Zeuge befragen. Das nutzt der Anwalt der Versicherung, um den Richter darüber zu belehren, dass er mich gemäß irgend einem Paragraphen der ZPO gar nicht als Zeugen befragen darf, was der Richter wiederum durch einen Vermerk in das Sitzungsprotokoll als Beschwerde des Beklagten aufnehmen muss.

Wäre es nicht mein Verfahren, in dem über einen lebensbedrohlichen Unfall mit dauerhaften Folgen für mich, entschieden werden soll, dann würde ich das als eine Art juristisches Kabarettprogramm recht unterhaltsam finden. Doch leider steckt hinter dem „Geplänkle“ des Anwalts des Versicherungskonzerns mit dem Richter bitterer und wohl auch routinierter Ernst. Ich weiß nicht wohin das führen wird.

Es ist eine zermürbende Sache, als Opfer wie ein Angeklagter im Gericht zu sitzen, zuvor eine unglaubliche Liste von Vorwürfen an mich zu lesen, die der Anwalt des Versicherungskonzerns als Antwort auf meine Klageschrift ans Gericht geschickt hat, und im Gericht dann zu jedem Detail des Unfallhergangs und meinen zu beklagenden Auslagen aussagen zu müssen. Das alles liegt bereits schriftlich vor, ist mit Belegen und ärztlichen Verordnungen nachvollziehbar dokumentiert, muss aber trotzdem von mir mündlich nochmal genau aufgerollt werden, weil der Versicherungskonzern jeden noch so winzigen Punkt meiner, wegen dem Unfall entstandenen Kosten, gerichtlich abgewiesen wissen will.

Der Zweck ist eindeutig: Es geht um Verzögerung des Verfahrens, Verunsicherung des Opfers und Zermürbung. Wenn hartnäckig um drei Kilometer gestritten wird, dann liegt die Vermutung nahe, dass der Versicherungskonzern sich gegenüber dem Opfer nicht in der Schadensersatzpflicht sieht, sondern das Unfallopfer als Gegner betrachtet, das es zu bekämpfen gilt. Der Versicherer ist mit allen juristischen Wassern gewaschen, zu keinerlei Zugeständnissen bereit und ausschließlich darauf bedacht, den versicherten Schaden nicht bezahlen zu wollen, bzw. soweit zu drücken, dass die Versicherung aus den eingesparten Mitteln auch noch die teuren Anwälte bezahlen kann. Diese Kalkulation muss aufgehen. Schon deshalb wird deren Anwalt alles daran setzen, den entstandenen Schaden juristisch möglichst klein zu reden. Bislang geht die Zermürbungstaktik des Versicherungskonzernes auf:
Ich habe keinerlei Entschädigung, stehe ohne Arbeitsfähigkeit da, werde seit dem Unfall von dauerhaften Schmerzen geplagt, kann nicht mehr richtig sehen, leide unter den extremen Nebenwirkungen von Medikamenten, die ich wegen dauerhafter Schmerzen nehme, und werde demnächst von einem finanziellen Desaster bedroht. Ich habe mich mit einer Anwaltskanzlei herum zu streiten, die im Auftrag der Versicherung des Pferdes, das mich schwer verletzt hat, alles daran setzt, mich zu zermürben. Eine Entscheidung in der Sache scheint, auf Grund des Verhaltens des Anwalts des Versicherungskonzernes und dessen abweisende Schreiben ans Gericht, momentan ein aussichtsloses Unterfangen zu sein.

Nach dem Beweisaufnahmetermin geht es mir schlecht. Ich habe viele Medikamente genommen, um in der Sitzung bei Gericht ruhig zu bleiben. Tage zuvor habe ich, im Hinblick auf den Termin, langsam die Dosis der Medikamente hochgefahren, um eine Schmerzattacke im Gericht zu vermeiden. Ich bin froh, dass das gut ging. Das Ergebnis aber ist schlecht. Ich muss mich auf Jahre der Auseinandersetzung mit weiteren derartigen Terminen bei Gericht einstellen.

Zermürbung

In der folgenden Stichwort-Liste habe ich einige Dinge zusammengefasst, die ich im ersten Jahr, das seit dem Unfall vergangen ist, wegen des Anwalts der Tierhalterhaftpflichtversicherung von „secret gun“ ertragen musste. Sollten Sie jemals einen Unfall oder einen anderen schweren haftpflichtversicherten Schaden erleiden, dann könnte es sein, dass Ihnen einige Dinge aus meiner folgenden Liste begegnen:

Sie haben eine erhebliche Mitschuld.“
Damit müssen Sie immer rechnen, das wird einfach behauptet. Der Anwalt der Versicherung wird irgend einen Satz aus Ihrer Klageschrift verwenden und ins Gegenteil drehen. Wenn in Ihrer Klageschrift steht:
„… wurde von einem galoppierenden Pferd auf der Straße sofort überrannt…“,
dann schreibt die Haftpflichtversicherung dem Gericht zurück:
„… wäre der Kläger nicht in das Pferd gesprungen …. deshalb ist ihm zumindest eine erhebliche Mitschuld …“

Sie verstoßen gegen Ihre Schadensminderungspflicht.“

Jede Ihrer Forderungen, ob es nun das Kilometergeld von 25 Cent für Ihre Fahrten zum Arzt ist, oder die vom Notarzt zerschnittene Kleidung, wird nicht anerkannt, sondern abgewiesen. Sie müssen jeden einzelnen Punkt in der Beweisaufnahme vor Gericht neu beweisen, auch wenn Sie das in der Klageschrift anhand von Belegen, Fotos oder anderem bereits getan haben.

Sie haben die vollständige Beweispflicht!“

Das ist einer der ersten Sätze, die sie in der Replik auf Ihre Klage von dem Anwalt des Versicherungskonzernes lesen werden. Damit wird Ihnen sozusagen eröffnet, dass Sie mit keinerlei Kooperation oder gar Entgegenkommen zu rechnen haben, Verständnis für Ihre Verletzungen und den Schaden brauchen Sie nicht zu erwarten.Sie werden von dem Anwalt der Haftpflichtversicherung „vorgeführt“, indem von ihm im Verfahren stets darauf hingewiesen wird, dass Sie jedes Detail zu beweisen haben. Wenn sie das tun, werden Ihre Beweise als nicht ausreichend von der Versicherung ignoriert und bei Gericht beantragt, Ihre Klage abzuweisen.

Die vorgelegten Beweise des Klägers sind abzuweisen.“

Wenn Sie Belege und Rechnungen ihrer verordneten Medizin usw. in einer sauberen Liste zusammenfassen und nach dem Datum geordnet als Anlage der Klageschrift als Beweis dem Gericht vorlegen, wird die beklagte Versicherung beantragen, das mit der Begründung abzuweisen:
„ …es ist nicht zumutbar, dass wir uns jede einzelne Quittung selbst heraussuchen ….“

Der Schaden wird bestritten, er bestand bereits vor dem Unfall.“

Wenn Ihre Verletzungen nicht eindeutig sichtbar sind, so z.B. wenn Sie wegen dem Unfall auf einem Auge nur noch 50 % sehen können, dann werden Sätze aus Ihren ärztlichen Befunden ins Gegenteil verdreht, um zu der Aussage zu kommen, dass Ihre entstehende Sehschwäche und Ihr von den Ärzten attestierter Sehnervschaden gar nichts mit dem Unfall zu tun haben.

Es wird bestritten, dass … „

Diese Worte lesen Sie in der Erwiderung der Versicherung auf Ihre Klage in jedem zweiten Absatz. Der Anwalt der Haftpflichtversicherung wird ein Vergleichsangebot unterbreiten, das Ihren Schaden auf höchstens 50 % oder weniger runter drückt. Er sagt zu Ihnen:
„Wenn sie unser reduziertes Angebot nicht annehmen, dann werden wir uns jedes Jahr hier vor Gericht sehen!“
Darauf sollten Sie, auch wenn es Ihnen sehr schlecht geht, wie ich antworten: „Ich möchte, dass mir der Schaden, den ich wegen des Unfalls erlitten habe, ersetzt wird. Das ist mein theoretisches Recht. Wenn das nur durch einen jährlichen Gerichtstermin erreichbar ist, dann eben so.“

Die Kausalität wird bestritten ..

Diese Worte werden Sie in den Repliken auf Ihre Klage von der Haftplichtversicherung immer wieder lesen müssen.

Die Argumentation der Versicherung sieht etwa so aus:

Ihre gesamte Erkrankung oder Behinderung haben Sie entweder schon vor dem Unfall gehabt, oder sich auch ohne den Unfall zugezogen. Wenn Sie etwas wollen, dann beweisen Sie heute mal, dass Sie ohne den Unfall nicht genauso behindert wären, wie Sie es vorgeben. Ihre Behinderung und der Unfall stehen in keinem kausalen Zusammenhang. Eine Kausalität zwischen der schwere Ihrer heutigen Krankheit und dem Unfall wird bestritten, zu beweisen, dass sie besteht, liegt zu 100% bei Ihnen.
Die Zermürbungstaktik der Versicherung ist auf Zeit und Verzögerung des Verfahrens angelegt, denn je mehr Zeit vergeht, desto weniger haben Sie Chancen die Kausalität zu beweisen.