6. Krieg

Am Mittagstisch saß neben mir noch ein anderer junger Mensch. Paula war ein Aupairmädchen aus England. Die Feriengroßeltern hatten sie für die Ferienzeit von Nachbarn ausgeliehen. Paula schwieg bei Tisch, so wie ich. Sie hatte einen anderen Grund zu schweigen. Sie war gekommen, um Deutsch zu lernen. Sie sprach noch sehr schlecht Deutsch.

Paula wurde vom Feriengroßvater wie ein Küchenmädchen behandelt. Sie hatte von morgens bis abends im Haushalt zu arbeiten. Sie hatte der Feriengroßmutter, die das Regiment führte, beim Kochen zu helfen. Sie war zuständig zu Waschen, zu Bügeln, den Hof zu kehren, das Treppenhaus und die Zimmer zu putzen und sie hatte sich dabei ruhig zu verhalten. Dabei sollte sie Deutsch lernen.

Der Feriengroßvater war groß, stark und mächtig. Es war selbstverständlich, dass auf seinem Hof geschah, was er geschehen lassen wollte. Dazu brauchte er keine langen Worte. Er war es nicht gewohnt, seinen Hof, oder gar sich selbst auf seinem Hof zu erklären. Jemandem wie mir, der dort neu erschien oder Paula die nicht einmal die deutsche Sprache beherrschte, brauchten die Hofregeln nicht lange erklärt zu werden, denn sie waren, in den Augen des Feriengroßvaters, selbstverständlich.

Im Schuppen auf dem Gehöft lud ich das Surfbrett von dem Handwagen ab. Mit dem leeren Wagen wartete ich im Innenhof. Es war eine laue, warme Sommernacht. Rings um den Hof war es sehr still, kein Lüftchen regte sich. Aus der Ferne hörte ich ein Auto. Zunächst glaubte ich, der Wagen fahre auf der Landstraße, unterhalb des Gehöftes vorbei. Dann sah ich am Himmel über dem Hof Scheinwerferlicht. Sekunden später passierte ein alter Peugeot die Eingangstür des Wohnhauses und rollte knatternd auf den Hof. Robert stieg aus dem Wagen. Sein Vater saß am Steuer. Robert kam direkt auf mich zu. Begeistert rief er:
„Na, ihr habt einen mords Fang gemacht?“ „Ja, ein Riesenvieh.“ „Du siehst aber etwas fertig aus. Bist du müde?“
Ich nickte und sagte: „Naja, schon etwas.“

Roberts Vater reichte mir die Hand. Er fragte, ob ich denn überhaupt zum Abtransport des Tiers mitkommen wollte, so müde wie ich aussah. Das war meine Chance. Ich zuckte die Schultern.
Roberts Vater: „Wir schaffen das auch ohne dich!“

Endlich wurde klar, dass der Jagdabend beendet war. Jetzt erschien der Feriengroßvater in der Tür des Wohnhauses. Auch für ihn schien klar zu sein, dass ich am Abtransport mit dem Handwagen nicht beteiligt sein würde. Die zwei marschierten mit Robert, der den Handwagen über den Innenhof zog, am Kirschbaum vorbei auf den Feldweg.

Am nächsten Tag sagte die Feriengroßmutter, dass heute jede Menge Arbeit anstehe. Der riesige Fang, von der Jagd in der letzten Nacht, sei mittlerweile ausgeblutet. Nun gelte es das Tier zu zerlegen. Sie fragte mich aber nicht, ob ich dem Feriengroßvater, der im Stall mit dieser Arbeit zu Gange war, helfen wolle. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich wollte lieber mit dem Surfbrett hinaus aufs Meer.

In der Scheune traf ich auf den Feriengroßvater. In einer blutverschmierten Gummischürze stand er da. In der Hand hielt er ein riesiges Messer. Der Hirsch hing an einen breiten Balken mitten in der Scheune. Sein Schädel war vollständig abgetrennt. Unter dem Tierkörper stand eine große Schüssel voll Blut. Ich sah den Feriengroßvater, der mich schweigend und nickend begrüßte, um sich sogleich wieder dem toten Tier zuzuwenden.

Mein Blick fiel auf den Handwagen, den ich für das Surfbrett brauchte. Der Wagen stand seitlich von dem toten, hängenden Tierkörper. Ich ging am toten Hirschen und dem schneidenden Feriengroßvater vorbei, sog dabei einen Atemzug von Blutgeruch auf, ergriff die Deichsel des Handwagens und zog ihn aus der Scheune. Der Wagen war von Blut und Haaren verschmiert. Ich polterte mit dem Wagen über den Innenhof. Dort gab es einen Wasserhahn.

Mit dem Gartenschlauch spritze ich das Blut und alles andere vom Wagen ab. Dabei wurde mir schlecht. Ich begann zu würgen. Ich übergab mich. Der Boden neben der Wasserstelle war feucht und glitschig. Ich verlor das Gleichgewicht, ging in die Knie, konnte mich nicht mehr kontrollieren, sah plötzlich nichts mehr, denn alles war schwarz geworden. Ich stürzte auf ein Knie, fiel zu Boden. Jetzt schlug ich mit dem anderen Knie auf einer Steinplatte am Wasserhahn auf. Alles ging sehr schnell. Da spürte ich eine Hand unter meinem rechten Arm. Ich wischte mir mit dem linken Ärmel über die Augen und atmete tief durch. Jetzt wurde es wieder hell.

Es war Paula. Sie sprach kein Wort, sondern lächelte mich an. Stützend begleitete sie mich zur Eingangstür und sie reichte mir ein Papiertaschentuch. Sie setzte mich in die Küche an den riesigen, schweren Küchentisch. Dort stellte sie ein Glas Wasser hin. „Drink“, sagte sie und sie wiederholte: „Drink das.“

Dann verließ sie für einige Sekunden die Küche. Sie brachte Pflaster, eine Mullbinde und Jod. Vorsichtig tupfte sie mit dem Jod mein Knie ab. Ich biss die Zähne zusammen, sie lachte mich an: „Don’t worry, this hurts you only for a few seconds!“ Es brannte wie der Teufel. Ich war trotzdem froh, dass sie sich kümmerte. Das rechte Knie blutete ordentlich. Sie verband mir das Knie und erklärte: „No saltwater today. Ich lerne Deutsch“. Sie lachte mich an. Plötzlich standen Feriengroßmutter und Feriengroßvater in der Küchentür. Paulas Lachen verschwand. Beide stellten blutverschmierte Schüsseln und Messer auf die Küchenspüle. Der Feriengroßvater bedeutete Paula, dass sie das abspülen sollte. Paula wandte sich von mir ab und begann mit ihrer Arbeit an der Spüle.

Nachts schlief ich sehr unruhig. Schon Nachmittags war starker Wind aufgekommen. Er toste um das, in der Dunkelheit liegende Haus und peitschte Regen, wie Wasserfontänen gegen die Fenster und Türen. Zwei Fensterläden hatten sich gelöst. Sie schlugen ständig im Wind hin und her, doch ihr Lärm wurde vom Rauschen des Sturms, in den hohen Bäumen rund um das Gehöft, übertönt. Der Wind war im Laufe der Nacht immer kälter geworden. Er hatte an Kraft ordentlich zugelegt und seine Richtung von Nordwest auf Nordost geändert. Starke Böen peitschten durch den Wald hinter dem Hof. Riesige Äste wurden dabei zu Boden gerissen.

Ich hatte mich tagelang in dem kleinen Wäldchen an dem Tümpel, nahe dem Gehöft, sicher gefühlt. Die hohen Buchen und die riesigen Tannen boten besten Sichtschutz. Sie waren von hoch gewachsenen Wiesen umgeben, die zusätzlichen Blickschutz boten. Der Herbst war nicht mehr weit, das bewiesen der Sturm und der plötzlich eiskalte Wind.

Ein gewaltiger Ast war von einer Buche herab gerissen worden. Er verfehlte mich knapp, traf mich aber noch mit einem Seitenarm, der auf meinen Kopf fiel. Mit der Rechten fuhr ich über meine Haare, glaubte dort warmes Regenwasser zu spüren. Der eiskalte Regen war wieder warm geworden, wie im Sommer. Er fühlte sich in der Handfläche richtig schön an. Ich fuhr mir durch das Gesicht, wo der Regen sich auch schön warm anfühlte. Dabei spürte ich ein Gefühl von Glück, denn der Sommer mit seinem warmen Regen war in Verlängerung gegangen. Ich knipste meine Taschenlampe an. Ich hatte meinen Beutel verloren. Wahrscheinlich war er von dem Buchenast zu Boden gerissen worden. Ich leuchtete den feuchten Waldboden ab. Die Batterien der Lampe waren schwach.Sie gaben nur für Sekunden einen Lichtstrahl ab. Auf dem Waldboden sah ich, in dem Schimmer der Lampe, die Nässe von Regen und rote Farbe, die dort herab tropfte. In meinem Gesicht ertastete ich jetzt eine klaffende Wunde, fuhr hinauf in mein Kopfhaar, wo ich eine Beule ertastete, die zu brennen begann.

Langsam näherte ich mich der Eingangstüre. Sie lag im Dunklen. Trotzdem erkannte ich, an der hellen Wand neben der Türe, einen großen schwarzen Fleck. Der Fleck verwirrte mich. Was hing dort? Geduckt näherte ich mich dem Eingang zum Gehöft, dabei jederzeit bereit, Schutz suchend, in die Böschung neben dem schlammigen Ackerweg zu flüchten. Jetzt erkannte ich, dass neben der Eingangstüre ein frisches Hirschfell an der Wand hing. Es war dort zum Trocken und Lüften an einem Holzrahmen aufgehängt worden.

Die Eingangstüre zum Gehöft war immer offen. Nicht so in dieser stürmischen Nacht. Blut tropfte auf den Fußabstreifer vor der Tür, gegen die ich mit Händen und Füßen einschlug. Der eisige Wind fuhr mir über den Rücken, so dass ich am ganzen Körper heftig zu zittern begann. Ich versuchte meinen Pullover und die Jacke zurechtzurücken, um dem peitschenden Wind keine Stelle zu bieten, an der er, auf meine Haut vordringen konnte. Doch das gelang nicht, denn Pullover und Jacke suchte ich vergebens. Ich war mit schmutzigen Tüchern und Lappen bekleidet, die wie nasse Säcke an mir herunter hingen und in dem eisigen Wind gegen meinen knochigen, mageren Körper schlugen.

Endlich sah ich durch das Schlüsselloch der Türe einen schwachen Lichtstrahl. Von drinnen hörte ich das Klimpern von Schlüsseln. Die Tür öffnete sich, ich erkannte Paula, die matt und schläfrig vor mir stand.

Sie erschrak bei meinem Anblick, sagte aber kein Wort, sondern nahm mich bei der Hand, stützte mich bis in die Küche, wo ich neben dem gewaltigen Küchentisch ein Lager am brennenden warmen Ofen fand. Das Lager war mir in all den Tagen zuvor noch nie aufgefallen. Ich legte mich auf das warme Tuch des Lagers, neigte den Kopf zurück und sah zu Paula hinüber. Die stellte eine dampfende Wasserschüssel auf einen Hocker neben mir und begann meine Stirn mit einem Lappen abzutupfen. Es war die Schüssel, die Paula noch Nachmittags vom Blut gereinigt hatte. Das dampfende Wasser färbte sich hellrot. Seine rote Farbe wurde mit jedem Auswringen von Paulas Lappen dunkler. Paula lächelte fürsorglich, sprach aber keinen Ton mit mir.

Plötzlich hörte ich sehr laute Schritte. Sie näherten sich vom Esszimmer, das direkt in das Arbeitszimmer führte. In der Esszimmertür erschien der Feriengroßvater. Er trug eine Uniform, an deren Revers eine Vielzahl von Orden geheftet waren. Es war die Uniform, die ich von Fotos in dessen Arbeitszimmer kannte. Sie hingen dort an der Wand, neben einem schweren Eichenschreibtisch. Ich hatte den Feriengroßvater in dieser Uniform auf den Fotos gesehen, während er mich am ersten Tag, mit knappen Worten in seine Ordnung auf dem Hof eingewiesen hatte.

Jetzt blickte er streng und gehässig zu Paula, die ihr Lächeln sofort aufgab und erschrak. Er schrie sie unverständlich an, blickte dann zu mir, trat einige Schritte auf mich zu, aber sagte nichts. Seine Augen waren hasserfüllt. Anstatt zu sprechen erhob er seinen Gewehrkolben. Das Gewehr hatte ich bislang noch gar nicht bemerkt. Ich schrie vor Angst, schreckte vom Lager auf, versuchte mich auf die Seite zu Paula zu drehen, die vom Stuhl neben mir aufgestanden war. Da spürte ich den heftigen Schlag des breiten, schweren Holzes. Der Schlag traf mich mitten im Gesicht. Ich spürte wie meine Nase zermalmt und wie Brei in meinem Gesicht verteilt wurde. Backenknochen krachten, als würden Bretter hinter einer Tür durchbrochen. Mein Kopf fiel zurück auf das Lager. Ich sah Paula vor mir, wie sie versuchte sich auf den Feriengroßvater zu stürzen, um mich zu schützen. Der aber stieß sie mit einem kräftigen Kolbenschlag von sich, so dass sie mit dem Rücken auf den Küchentisch geschleudert wurde.

In diesem Augenblick spürte ich einen gewaltigen, stechenden Schmerz und ein Pochen, das mein ganzes Gesicht überzog und sich von meinen Augen wie Feuer hinauf in den Kopf brannte, als würde eine klaffende Wunde in die salzige Ostsee gehalten. Meine Augen konnte ich nicht schließen. Trotzdem sah ich aber den Feriengroßvater minutenlang nicht mehr.

Vom Esszimmer hörte ich mehrere Männerstimmen. Sie lachten und redeten mit dem Feriengroßvater. Es waren drei Soldaten. Ich erkannte sie jetzt verschwommen vor mir. Es waren die drei, die auf dem Foto im Arbeitszimmer, rechts vom Eichenschreibtisch, lachend neben dem uniformierten Feriengroßvater abgebildet waren. Sie trugen Armbinden mit Hakenkreuzen. Im Foto hielten sie triumphierend Maschinengewehre in die Luft. Es war ein vergrößertes Schwarzweiß-Foto, in dessen Mitte der Feriengroßvater lachte, während er einem der Drei die Hand schüttelte. Jetzt sah ich die Männer verschwommen aber in Farbe. Ihre Armbinden waren rot. Sie standen mit ihren Gewehren direkt vor dem Küchentisch.

Mein Kopf pochte, da musste eine große Wunde sein. Ich spürte Blut das über meine zertrümmerten Backenknochen lief und über meine zerfetzten brennenden Lippen in meinen Mund floss. Der Feriengroßvater zeigte mit seinem Gewehrkolben auf Paula die auf dem Küchentisch lag. Die drei Männer lachten, wie auf dem Foto. Der Feriengroßvater verschwand in das Esszimmer, Richtung seinem Arbeitszimmer. Die Soldaten pressten Paula auf den Küchentisch. Einer riss ihr das Kleid herunter. Ich sah ihn, wie er die Schenkel von Paula auseinander drückte. Paula hörte ich nicht schreien. Ich hörte gar nichts, nur ein Rauschen und einen hohen Ton. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es ganz still geworden war.

Sie hatte ihre Beine aneinander gepresst. Einer der Soldaten stieß jetzt den anderen von Paula weg. Der fiel zu Boden, denn er stolperte über seine herunter gelassene Hose. Der zweite Soldat stellte sich vor Paula an den Küchentisch. Er schlug Paula mit dem Gewehrkolben zwischen die aneinander gepressten Schenkel. Dann warf er sein Gewehr zu Boden, öffnete die Hose und ließ sie zu Boden fallen. Mit heftigen Stößen drang er in Paula ein.

Ich erhob mich langsam, denn jetzt erkannte ich ein Maschinengewehr, direkt neben meinem Lager auf dem Boden. Ich hörte nichts, sah aber das stählerne Gewehr, neben mir da unten. Ich setzte mich auf das Lager, bückte mich nach unten, wo ich tatsächlich mit der rechten Hand das Gewehr ergreifen konnte. In diesem Moment spürte ich in meinem Nacken einen sehr kräftigen Druck. Das war kein Schlagen, sondern es würgte mich fest. Ich versuchte mich aufzurichten, doch es gelang nicht. Jetzt wurde ich vom Lager zu Boden auf meine Knie gezwungen. Dort erkannte ich die glänzenden Jägerstiefel des Feriengroßvaters. Aber ich hörte ihn nicht. Ich versuchte zu ihm aufzublicken. Doch ich kam mit meinem Blick nur bis zur Tischkante. Dort erkannte ich das Gesicht von Paula. Sie hatte ihre Augen weit aufgerissen, ihr Gesicht war voll von Tränen. Sie liefen über ihre Wangen, ihr Mund war weit aufgerissen. In ihm steckte der blutige Lappen, mit dem sie zuvor meine Stirn abgetupft hatte.

Auf den Knien schleifte mich der Feriengroßvater am Tisch vorbei zur Küchentür. Zwei der Soldaten packten mich jetzt unter meinen Schultern. Sie schleppten mich aus dem Haus über den Hof zum Kirschbaum.

Der eisige Wind peitschte in mein zerfleischtes Gesicht. Es regnete in Strömen. Ich spürte den Regen in meinem Gesicht, wo er brannte wie Feuer. Mein Kopf war zwischen den beiden Soldaten nach hinten gekippt, so dass ich den Regen schmecken konnte, der mir direkt in meinen aufgerissenen Mund fiel. Sie stellten mich auf eine Kiste, die ich vom Speicher zu kennen glaubte. Ich ging sofort in die Knie und griff in weichen dicken Staub. Ich war schwach, spürte im Gesicht brennende Schmerzen, drohte von der Kiste zu stürzen, wurde aber von einem der beiden Soldaten am Hals ergriffen, um den er mir ein Seil legte. Das schnürte sich sofort fest um meinen Hals. Es richtete mich auf der Kiste auf. Ich stand unter dem Kirschbaum im peitschenden Regen und erkannte jetzt, vor mir, die hell erleuchteten Fenster des Hauses. Ich sah den Feriengroßvater. Zusammen mit einem Soldaten schleppte er einen Menschen durch den Regen über den Hof.

Es war Paula, die von den beiden, auf eine andere Kiste vom Speicher, vor meine Füße geworfen wurde. Plötzlich packte mich ein kräftiges Quetschen am Hals, das mich sofort würgen ließ und meinen Kopf nach unten presste. Dort unten sah ich Paula auf der Kiste liegen. Ich sah meine Füße, sie zappelten in der Luft über Paulas Kopf. Ich würgte, versuchte zu erbrechen, zu atmen, den Mund zu öffnen, die Augen zu schließen, nichts ging. Paula verschwamm unter meinen heftig zappelnden Beinen. Jetzt spürte ich einen unerträglich beißenden Schmerz, er kam von meinem Hals. Ich bäumte mich auf und schrie mit aller Kraft.

Die weiße Ballonlampe in dem Zimmer schaukelte an der Decke wie wild hin und her. Das Fenster stand offen. Böiger Wind sorgte draußen für viel Bewegung in den Bäumen. Ich lag schweißgebadet auf dem Bett in meinem Ferienzimmer. Ich stand auf und stellte mich, nass und schwitzend, an das offene Fenster. Unten im Hof sah ich den Mercedes des Feriengroßvaters vor dem hohen Scheunentor.

An dieser Stelle in dem Buch fällt mir ein, dass ich im Jahr 2019 auf meinem Musikalbum „nichts“ den Song „in Ordnung“ veröffentlicht habe. Darin geht es um die erschreckende Sache, dass Nazis in Deutschland heute wieder Menschen bedrohen, insbesondere geht es in dem Song darum, wie Nazis heute ihre Kinder erziehen. Vor dem Hintergrund der Nazi-Vergangenheit in diesem Land, der Kriegsgreuel und des Mordens das deutsche Nazis millionenfach  angerichtet haben, finde ich das offensichtliche wieder Erstarken der Nazis in diesem Land erschreckend.

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