5. Schule im Gebirgsort

Kennen mich die Kinder in meiner alten Schulklasse, im Bayerischen Gebirgsort, noch? Sicherlich kennen sie mich noch, denn ich bin ja erst seit einem Jahr weg, vom Kinderheim auf dem Berg. An einige Kinder in meiner Schulklasse erinnere ich mich gut.

Manfred, neben dem ich saß, hatte aus seinen Filzstiften Spuckröhrchen gebaut. Damit ärgerte er die Lehrerin und die Mitschüler. Richard hatte jeden Tag viele Pausenbrote dabei. Die nahm er morgens aus seinem Schulranzen und steckte sie unter seine Schulbank. Schon nach wenigen Minuten, in der ersten Unterrichtsstunde, raschelte er an seinen Brottüten unter der Bank herum. Wenn die Lehrerin nicht zu ihm hinsah, hatte er sich immer ein Stückchen vom Pausenbrot in den Mund gestopft. Markus hatte jeden Tag Geld dabei. In der Pause stand er in der langen Schlange, unten in der Pausenhalle am Kiosk. Dort kaufte er sich jeden Tag so viele Lakritzeschnecken, wie er für sein Geld nur bekommen konnte. Alle Kinder aus der Schulklasse, die gerne Lakritze aßen, auch ich, waren dann um Markus herumgestanden und bettelten ihn nach einer Lakritzeschnecke an.

Ich glaube, die erkennen mich sicher gleich wieder. Hoffentlich haben sie eine nette Lehrerin. Oder haben sie inzwischen einen Lehrer? Vielleicht haben sie einen strengen Lehrer, so wie Herrn Götz in unserer Dorfschule?

Im vergangenen Schuljahr hatten wir im Gebirgsort eine alte Lehrerin. Sie hatte schon seit vielen Jahren an der Schule unterrichtet. Ich glaube, unsere Klasse war eine sehr freche Klasse gewesen. Manchmal hatte die Lehrerin Kinder aus der Klasse zum Direktor geschickt. Das ist ein sehr strenger Mann. Einmal kam es vor, dass die Lehrerin das Klassenzimmer verlassen hatte und nicht wieder zurückkam. Sie war einige Tage krank und wir bekamen einen strengen Lehrer als Vertretung. Montags nach einer Woche war die Lehrerin wieder da.

Manfred verteilte wieder seine Spuckröhrchen an andere Kinder in der Klasse. Das hatte er sich nicht getraut, als der strenge Lehrer als Vertretung da gewesen war. Bei dem hatte sich niemand getraut, mit dem Röhrchen ein Stück Papier an die Tafel zu spucken. Bei der Lehrerin sollte nun alles von neuem losgehen. Aber plötzlich brüllte sie Manfred an. Sie verbot ihm, weiter seine Spuckröhrchen zu bauen. Wir Kinder waren überrascht, dass sie genau wusste, dass Manfred es gewesen war, der die Röhrchen gebastelt hatte. Lange Zeit hatte ich geglaubt, sie ahne nicht, wer der Hauptübeltäter war. Die Lehrerin war strenger geworden. Manchmal warf sie Manfred aus dem Klassenzimmer. Trotzdem war sie lange nicht so schlimm gewesen, wie mein strenger Lehrer an der Dorfschule es war.

In den Pausen hatte ich mich jeden Tag im Schulhof mit den Geschwistern Christian, Mark und Matthias getroffen. Jetzt werden Christian und Mark fehlen. In der Schule wird es deshalb nicht mehr so wie früher sein.