3. Ein Tier

Wir spielten um uns die Zeit zu vertreiben. Manche Regel war in deren Spiel anders. Darüber verständigten wir uns von Spiel zu Spiel besser. Die Zeit unter Deck verging beim Poker sehr schnell, obwohl es um nichts ging.

Der Schiffsmotor ging aus. Da merkte ich, dass der Lärm ein irrsinniges Dröhnen in meinem Kopf verursacht hatte, das auch ohne Motorenlärm weiter anhielt. Der ausgeschaltete Motor war ein Signal. Aufstehen, Öljacken anziehen, hinauf an Deck gehen, Angelruten auswerfen.

Oben herrschte reger Betrieb. Viele Männer hatten ihre Angelruten längst ausgeworfen und blinkerten mit kräftigen auf und ab Bewegungen. Mischa drückte mir eine schöne gelbe Angel in die Hand. Sie war sehr lang und hatte einen schwarzen Griff. Ihr Blinker und Angelhaken glänzten.

Ich beobachtete die Drei wie sie ihre Angeln auswarfen, sich bäuchlings an die Reling lehnten, die Angelschnur eine kurze Zeit lang vom Gewicht des hinab sinkenden Blinkers abwickeln ließen, sie schließlich stoppten und so lange kurbelten, bis sie die wohl notwendige Spannung auf der Angelschnur zu haben glaubten. Dann begann jeder der Drei damit, die Angel auf und ab in Bewegung zu halten. Ich tat es ihnen nach. Blinkern bestand darin die Angel ständig langsam nach oben zu ziehen und den schweren Blinker nach unten wieder abzulassen. Das kam mir nach wenigen Minuten eintönig vor.

Plötzlich hörte ich aufgeregtes Geschrei. In einiger Entfernung, ein paar Angler-Nachbarn weiter, sah ich an der Reling einen Mann, der offenbar mit viel Kraft an der Kurbel seiner Angel arbeiten musste. Das war wohl so anstrengend, dass ihm schließlich ein anderer Mann zu Hilfe eilte. Beide schienen nur mit vereinten Kräften in der Lage, die Angelrute festzuhalten. Der kurbelnde Mann setzte seine Kräfte auf die Kurbel, während der andere sich an der Angel zu schaffen machte, die sich bog, wie eine feine Mondsichel. Umstehende Männer verfolgten den Vorgang, bewegten aber trotzdem ihre eigenen Angelruten weiterhin auf und abwärts.

Schließlich schien es soweit. Die beiden Männer zogen einen riesigen Fisch über die Reling nach oben. Der Fisch schlug über dem Wasser wie wild um sich. Er klatschte auf das Deck. Einer der beiden nahm einen dicken Gummihammer zur Hand. Er stürzte sich auf den Fisch und schlug mit dem Hammer heftig auf dessen Kopf ein. Mit seinen riesigen Händen versuchte er den glitschigen Fischkörper auf den Boden zu pressen. Der Fisch aber entkam. Er sprang Meter hoch vom Boden auf. Er hatte den Angelhaken mit dem Blinker noch im Maul. Deshalb riss er die Angel, welche zuvor zu Boden gelegt worden war, mit sich. Deren schwarzer Griff schlug jetzt einem bislang unbeteiligten Angler von hinten auf dessen glänzende Öljacke. Der sah sich von dem jetzt immer wieder hoch springenden Fisch und von der fliegenden Angelrute bedroht. Deshalb griff der Mann zum Gummihammer eines neben ihm Stehenden. Mit dem Hammer bewaffnet sprang er auf den riesigen Fisch, der wieder zu Boden gekommen war. Als wolle er sich rächen schlug er mit dem Hammer zu. Er schlug so oft auf das Tier ein, bis es sich unter dessen riesigen Händen nicht mehr bewegte.

Damit nicht genug, als sei es dessen Fang, packte der Mann das offenbar leblose Tier an der Flosse und hielt es in die Höhe. Der eigentlich erfolgreiche Jäger stand dabei neben ihm. Er schien sich nicht sicher, ob ihn der Hammerschläger degradieren wollte. Deshalb schob er sich dicht an den Triumphierenden heran. Der ließ endlich das Tier zu Boden, um der eigenen Angelrute an der Reling wieder gewahr zu werden. Der erfolgreiche Jäger begann sofort mit einem großen Messer an dem am Boden liegenden Tier herum zuschneiden.

Nach dem ersten Einstich allerdings sprang der Fisch erneut in die Höhe. Wieder riss das Tier die Angelrute mit sich. Sie flog aber nicht, wie zuvor Richtung Reling, sondern krachte gegen eine Stahlwand neben der Tür, die unter Deck in den Raum mit dem Kiosk führte. Der Fisch klatschte zu Boden. Ich erkannte, dass der Kopf des Tieres zertrümmert war. Aus dem zermalmten Fischkopf stach nach oben ein großer Angelhaken heraus. Daran hing ein blitzender Blinker.

Ich zog weiter an meiner Angel auf und ab. Ich wusste, dass mein eintöniges Ziehen sich ganz schnell in einen ungleichen Kampf mit einem Fisch verwandeln konnte. Ich wusste nun auch, dass dieser Kampf auf jeden Fall mit dem Töten eines Tieres zu beenden war. Meine Gedanken machten mein Ziehen an der Angel immer gemächlicher.

Ich hörte begeisterte Rufe wegen des „riesigen Brummers“ den die beiden da aus der See gezogen hatten. Von überall an Deck dröhnten Jagd- und Siegesrufe: „Hee kieck mal, wat der für nen fetten Dorsch an der Waage hängen hat! Oh Mann dat is ja n dolles Ding!“ Die Dorsche bissen gut an dem Tag. Immer wieder sah ich, wie Angler um uns herum mit den großen Griffen ihrer Messer, oder mit einem Gummihammer, auf die Köpfe ihrer gefangen Fische einschlugen und wie sie die toten Tiere in flache Plastikkisten auf Eis warfen.

Nach etwa einer halben Stunde war es auch bei uns soweit. Martin begann kräftig an seiner Angel zu arbeiten. Er zog die Rute mit kräftigen Zügen nach oben und arbeitete beim Herunterlassen hektisch an der Kurbel. Die Angel bog sich so stark, dass ich glaubte sie breche gleich ab. Robert knotete seine Angel an der Reling fest. Er half Martin beim Hochziehen. Wenige Minuten später baumelte ein mittelgroßer Dorsch über dem Wasser. Der Fisch schlug wild um sich. Robert riss das Tier mit einem Zug über die Reling. Martin schnappte nach dem am Boden springenden Fisch. Er schlug dessen Kopf mit dem dicken Griff seines großen Messers ein.

Martin hatte einen guten Fang gemacht. Die drei musterten das zuckende Tier, bevor Robert es an den Kiemen davontrug. Er ging mit dem zappelnden Tier zu einer Waage, die an einer Stahlstange am Vorderdeck hing. Dort standen mehrere Männer mit zuckenden Dorschen in einer Schlange wartend, um ihren Fang zu wiegen.

„Dreißig Pfund, fast acht Kilo! Das ist fürs Erste nicht schlecht, Jungens!“

So rief Robert, als er von der Waage zurückgekommen war. Er warf den Fisch in eine weiße Plastikkiste, in der ich ein paar grobe Eisklötze erkannte. Er schloss den Deckel der Kiste und zog aus seiner inneren Gummijackentasche einen Zettel und einen Stift. Den Zettel auf dem Kistendeckel, notierte er während er rief:

„Martin: Dreißig! Gucken wir mal, wie dat heute noch so weiter jeht Leute!“

Mein Ziehen und Loslassen an der Angelrute war immer langsamer geworden. Um das Schiff herum hatten sich Massen von kreischenden Möwen eingefunden. Viele Fischer warfen immer wieder Teile ihres Fangs über Bord. Die Möwen stürzten sich sofort auf die Wasseroberfläche oder sie schnappten sich die weggeworfenen Fischreste schon in der Luft. Weil die meisten Fischer ihre gefangenen Fische sofort ausnahmen, und sie erst danach auf das Eis in ihre Plastikkisten warfen, stank es an Bord fürchterlich. Das Schiff schaukelte schlimmer als die schlimmste Schiffschaukel, die ich in Berchtesgaden auf dem jährlichen Rummelplatz erlebt hatte.

An der Reling lehnend, fixierte ich jetzt hinter den immer wieder aus der Luft heran schießenden Möwenschwärmen den fernen Horizont. Zwischen dem Schiff und dem Horizont schäumte es mächtig. Ständiges auf und ab. Das Schiff bewegte sich kreisförmig um den weißen Horizont. Der blaue Himmel, an dem ich einige Schäfchenwolken zu sehen glaubte, drehte sich hin und her. Ich sah schäumendes Geröll rings um das Schiff. Alles auf dem Schiff schaukelte. Die Menschen, die toten Fische, die Kisten, die Eimer und Angeln, die Öljacken, die grünen, gelben und braunen Gummihosen, die ich in vielen Gummistiefeln stecken sah. All das war auf dem stinkenden Schiff in eine rollende Bewegung geraten.

Es waren zwei, drei Ameisen im Schlaf auf einer grünen Wiese. Man nahm sie zuerst nur als leichtes Kitzeln wahr. Doch die Ameisen hatten hunderte Freunde mitgebracht. Das Rollen und Schaukeln an Bord schlich eine Zeit lang unbeachtet wie zwei, drei Ameise um mich herum. Es war zu spät.

Meine gelbe Angelrute stand still. Trotzdem ging das Auf und Ab weiter, als würde ich die Angelrute hoch und runter lassen. Ich konnte es nicht stoppen. Auf und Ab waren da, ohne dass ich Einfluss nehmen konnte. Im Hoch und Runter zwischen Schiff, Wellen und Horizont sah ich einen Mann, nur wenige Meter entfernt, der einem riesigen Fisch den Bauch aufschlitzte. Mit kräftiger Hand griff er in den Bauch des großen Tiers. Sein gigantisches Messer rührte darin. Langsam zog die Hand des Mannes Fäden, braunes und grünes Zeug aus dem Bauch. Das warf er mit Schwung in die Luft über Bord den kreischenden Möwen zu.

Ich kümmerte mich um nichts mehr. Ich ließ die drei Freunde einfach stehen. Ich ließ meine Angelrute los und eilte so schnell ich konnte Richtung Heck. Dabei presste ich meine beiden Hände auf den Mund. Das Schiff schaukelte wie wild. Vor mir sah ich das Heck des Kahns. Es stieg auf und ab. Das Schiff drehte sich zwischen Himmel, Wolken und Horizont. Da kam eine rostige Stahltür in meinen Blick. Ich blieb stehen, denn da war noch etwas. Ich erkannte neben Kisten einen Eimer. Ich eilte hin, ging über dem Eimer in die Knie und nahm meine Hände vom Mund.

Es kam in mächtigen Schüben, ich verschluckte mich ein paar Mal, so dass gleich noch mal was kam. Neben der Tür war ein verrosteter Eisengriff. An dem hielt ich mich fest. Mein Magen war schnell leer. In meiner Jackentasche hatte ich kein Taschentuch. An der Kante der offenen Stahltür arbeitete ich mich langsam mit beiden Händen nach oben.

Ich sah mich um. Das Heck des Schiffes war nur wenige Meter entfernt. Die Angler um mich herum schienen mich nicht zu beachten. Richtung Steuerbord und Bug sah ich Fischer stehen wie aufgereiht. Der ein oder andere hatte einen Fisch an der Angel, der zu Boden gedrückt wurde, auf dessen Kopf eingehämmert wurde. Ich sah auch Robert, Martin und Mischa. Sie hatten etwas gefangen, denn alle drei knieten am Boden. Robert schlug auf das Tier ein, das ich von der Stahltüre aus nicht sehen konnte.

Langsam schwankte ich durch die Türe in das Innere des Schiffes. Das Waschbecken war verdreckt. In dem Raum stank es nach Urin. Aus dem Wasserhahn kam Salzwasser. Ich spülte meinen Mund aus und wusch mein Gesicht. Das schmeckte grauenvoll. Ich blickte in einen zerkratzten Spiegel. Ich sah aus wie ein heller Käse. Langsam bewegte ich mich raus an Deck. Von dort nahm ich den Eimer, ging zurück zur Toilette und spülte ihn aus. Mir war zum Kotzen schlecht.

„Alles paletti?“
Robert grinste, während er kräftig an seiner Angelrute zog.
„Deine Angel ist abjestürzt, hab sie einjehoold und da hinne bei unserer Kiste abjeleecht.“
„Danke, hab vergessen sie anzubinden!“

Wie auf dem Surfbrett ist es auch auf einem Schiff. Wenn so ein Schiff nicht fährt und der Seegang kräftig ist, dann ist das Schaukeln sehr schlimm, viel schlimmer als in der Schiffschaukel auf dem Rummelplatz. Ich war froh, dass bei mir nichts mehr herauskommen konnte, weil ich schon alles hergegeben hatte. Ich setzte mich auf den Deckel der weißen Plastikkiste von Robert.

„Schau da mal rein!“
Ich hob den Deckel an. Da lag ein großer Fisch.
„Fast hundert Pfund, der Riesen-Oschi!“, schrie Robert.
„Das ist ja unglaublich! Wie habt ihr das mords Vieh denn raus gebracht?“
„Das ging nur zu dritt und noch zwei Manne ham kräftig mit zugepackt! Das gibt heute Abend gute Kohle, liebe Leute!“, schrie Robert in Richtung Martin und Mischa.

Roberts Plan den Dorsch Abends zu verkaufen kannte ich noch nicht. Ich dachte, dass unser Fang für die heimische Küche von Roberts Eltern und den Großeltern gedacht sei. Aber Robert wollte aus unserem Fang Geld machen. Ich hatte noch nie Geld auf anderem Weg bekommen, als das Taschengeld von Birner.

Langsam bewegte ich mich von der kühlen Plastikkiste, mit der gelben Angelrute in Händen, zurück zur Reling. Mir ging es besser. Ich hatte das Gefühl nicht mehr so kreidebleich zu sein. Ich warf die Angel aus und zog daran gemächlich auf und ab.

Wenn der Fischverkauf, den Robert für den Abend geplant hatte, etwas abwarf und die Drei sich fairer verhielten als die Kinder bei Birner am Obersalzberg, dann könnte das meine Chance sein. An der Reling ging es mir mit diesen Gedanken besser. Nach einer knappen viertel Stunde spürte ich sogar meinen leeren Magen. Ich hatte Hunger.

Bei Robert tat sich wieder etwas. Er zog und kurbelte kräftig. Er hatte einen mittelmäßig großen Dorsch dran. Den zog er routiniert an Bord. Er tötete ihn mit einem kräftigen Schlag auf den Kopf. Später kam Robert lächelnd von der Waage zurück und warf den Fisch auf das Eis in die Kiste.

Ich erschrak, denn jetzt zog es an meiner Angelrute. Der starke Zug Richtung Wasser riss mir die Angel beinahe aus der Hand. An das Auf und Ab hatte ich mich gewöhnt, nicht aber daran, dass plötzlich jemand so zerrte. Ich brauchte viel Kraft um den Blinker nach oben zu ziehen. Ich versuchte zu tun, was ich zuvor bei den Freunden beobachtet hatte. Ich zog die Angel kräftig nach oben und kurbelte, während ich die Angel wieder hinunter ließ.
„Haste einen dicken Oschi dran?“, fragte Robert.
„Weiß nicht.“
„Brauchste Hilfe?“
„Glaub nicht, geht schon.“
„Dann kann der Dorsch auch nicht so affenschwer sein!“

Ich zog, kurbelte, zog und kurbelte. Ich schwitze, mein Atem war kurz und schnell geworden. Drei, vier Minuten später war es soweit. Ein kleiner Dorsch zappelte an meiner Angel. Er schlug wild über dem Wasser. Robert hatte seine Angel an der Reling befestigt und gab mir sein großes Messer. Er nahm mir die Angelrute ab, schleuderte den Fisch mit festem Schwung auf den Boden an Deck und rief mir zu:
„Der ist gerade so groß, dass ich ihn nicht wieder rein werfen würde!“

Ich ergriff den glitschigen Fisch. Ich packte ihn an den Kiemen und presste ihn sofort auf den Boden. Fest schlug ich mit dem dicken Messergriff ein paar Mal auf dessen Kopf ein, bis das Zappeln aufhörte. Beinahe wäre der Fisch davon gesprungen, denn der Dorsch versuchte noch einen letzten kräftigen Satz. Ich ließ das Messer fallen, packte das Tier an der Schwanzflosse und drückte es zu Boden.
Es war vorbei. Ich tat was ich zuvor bei Robert beobachtet hatte: Ich steckte meine Finger in die Kiemen und hob das Tier an. Die Drei sahen hinüber zur Waage. Dort stand nur ein Mann. Ich ging dort hin und hängte meinen Fang an den Haken. Die zeigte vier Kilo an. Ich lief zurück zu den Dreien. Dort verkündete ich stolz:
„Sechzehn Pfund, das ist doch schon mal was!“
Ich war sehr aufgeregt. Die Umrechnung in Pfund fiel mir nicht leicht. Ich war froh, dass mir die zweihundertfünfzig Gramm Butter als Eselsbrücke eingefallen waren. Ich ging sehr langsam von der Waage zu den Freunden zurück, denn ich brauchte Zeit um meinen schnellen Atem zu beruhigen und um die Pfunde aus vier Kilo zu errechnen. Ich wollte gelassen und ruhig wirken.

Wir zogen mit einem polternden Handwagen von Haustür zu Haustür. Robert war stolz auf den Fang. Roberts Vater hatte uns in einem alten, klapprigen Peugeot am Parkplatz vor dem Hafen erwartet.
„Knapp vierhundert Pfund!“, rief Robert seinem Vater zu.
„Ordentlich, ordentlich Männer!“
Das war alles was der Vater dazu sagte. Ich war froh, dass Robert die Fische nicht an Bord ausnahm, wie es die meisten anderen Männer auf der Rückfahrt zum Hafen getan hatten. Das stank fürchterlich und war ein grauenvolles Gemetzel. Robert meinte zu Mischa und Martin, dass dies seine Mutti besser machen könne als er.

Allerdings hatte die nicht damit gerechnet, dass die Fische gleich von ihr ausgenommen werden sollten, damit wir schnell auf Verkaufstour gehen konnten. „Den Fisch müssen wir ganz frisch verkaufen“, meinte Robert, „morgen Früh will den doch keiner mehr haben!“
Robert wuchtete, gemeinsam mit Mischa, die fast hundert Kilogramm schwere Kiste auf einen riesigen Tisch, der in der Mitte der Küche stand. „Ich wasche danach das ganze Zeug auch schön sauber“, versicherte Robert.

Auf den selbst gebauten Handwagen war Robert mächtig stolz. Das Ding hatte er mit Mofabereifung und einer dicken Achse ausgestattet. Sein ganzer Stolz war eine selbst geschweißte Kupplungskonstruktion, mit der er den Handwagen an seinem Fahrrad anbringen konnte. Weil wir beinahe hundert Kilo Fisch und Eis zu transportieren hatten, zogen wir den Wagen aber ohne Fahrrad durch den Ort.

Der Verkauf ging schleppend. Die Leute feilschten mit Robert. Der war der Meinung, er könne für ein Pfund fünfzig Pfennig verlangen. Das war den Leuten viel zu viel. Ich hatte den Eindruck, dass die meisten den Fisch eigentlich gar nicht wirklich haben wollten. Jedenfalls sah ich bei keiner der Hausfrauen echte Freude über unser Angebot. Ich sah stattdessen rümpfende Nasen. Von Begeisterung keine Spur. An der Ostsee gab es zu viel Fisch. Mein Eindruck war, dass den Leuten das Zeug schon zu den Ohren heraus stand.

Bis halb acht Uhr Abends hatten wir immerhin dreihundert Pfund verkauft. Das Pfund jedoch nur für zehn Pfennig. Wir hatten dreißig Mark in Roberts Tasche. Das Geld teilte Robert zwischen uns auf. Für jeden gab es fünf Mark. Die Bootsfahrt hatte pro Mann zwei Mark fünfzig gekostet. Ich fand das überaus korrekt von Robert. Ich hatte am wenigsten aus dem Meer gezogen. Ich freute mich riesig, dass ich an diesem Tag fünf Mark verdient hatte. Ich dachte an meine Schulden bei Michael am Obersalzberg. Bei den Feriengroßeltern gab es Abends frischen Dorsch.