26. Der Speicher

Im Oberlehen liege ich oben in meinem Stockbett. Ich höre Peters Stimme:
„Na du Penner, genug gerüsselt?“
Jetzt sehe ich unten im Stockbett Hartmut. Sein verletztes Knie lagert auf einem Hocker. Peter erhebt sich vom Stuhl. Er zieht sich sein Schlafanzughemd über. Hartmut schaut von unten zu mir hinauf. Er sagt:
„Das ist wirklich kaum zu glauben, du fragst uns etwas und schläfst dabei ein!“
Ich richte mich auf und stütze mich auf meine Ellenbogen.
„Was?“
Peter geht zum Waschbecken. Von dort höre ich ihn:
„Wir müssen jetzt das Licht ausschalten, sonst gibt es Ärger mit Helling. Es ist schon Viertel nach neun.“
Er knipst das Licht über dem Waschbecken aus. Peter klettert in sein Bett und verkriecht sich unter der Decke.
„Du weißt nicht mehr, was du gefragt hast?“
Ich antworte nicht.
„Unglaublich“, flüstert Hartmut. „Stellt eine Frage, pennt ein, und hat nach dem Aufwachen vergessen, was er überhaupt gefragt hat!“
„Was habe ich denn gefragt, bevor ich eingeschlafen bin?“
Peter richtet sich in seinem Bett auf. Durch die Dunkelheit schaut er zu mir herüber:
„Du hast uns gefragt, wo wir mein Schreibheft am sichersten vor Helling und Birner verstecken könnten.“
„Ach so? Daran kann ich mich nicht erinnern, wirklich überhaupt nicht! Ich muss schon geschlafen haben. Habt ihr überlegt, wo der beste Platz ist?“
„Wir haben es überlegt“, flüstert Hartmut hinauf zu mir, „wir werden es zwischen den Matratzen auf dem Speicher verstecken.“
„Wir wollen nur noch dort oben in das Heft hineinschreiben. Es ist zu gefährlich, es immer mit mir herum zu tragen.“
„Psst!“, zischt Hartmut.
Draußen auf der Holztreppe nähern sich schwere, langsame Schritte.
„Helling macht seinen Rundgang, tun wir so als würden wir schon pennen,“

Leise knarrt die milchige Glastür. Im dunklen Türspalt erkenne ich die Umrisse von Helling. Er wirft einen kurzen Blick herein. Er sieht, dass wir alle in unseren Betten liegen. Behäbig geht er über die Holzbretter vor unserem Zimmer weiter zur Eingangstür, in den Durchgangswaschraum. Nachdem wir die Eingangstür ins Schloss fallen hören, flüstert Peter:
„Wir schreiben nur noch auf dem Dachboden in unserem Versteck in mein Heft. Wenn Helling oder Birner mein Heft in meiner Schultasche finden, ist der Teufel los. Wir haben schon genügend über das Oberlehen aufgeschrieben, deshalb müssen wir mit dem Heft vorsichtig sein. Wir müssen dieses Heft gut aufbewahren, es kann uns vielleicht später noch gute Dienste erweisen. Der Speicher ist ein gutes Versteck.“
„Gute Nacht“, stöhnt Hartmut leise. Ich atme schon sehr tief.