10. Christian

Christians Schule ist jetzt vorbei. Darüber ist er bestimmt froh, denn er geht nicht gerne in die Schule. Was macht Christian heute Nachmittag? Vielleicht besucht er die Oma. Vielleicht fährt Christian hinauf zur Oma, vielleicht ist er zum Mittagessen bei ihr eingeladen. Er könnte von der Stadt aus mit dem Bus fahren. Er muss den weiten Weg nicht zu Fuß gehen. Im seinem Heim bekommt er Taschengeld, davon kann er den Bus bezahlen.

Christian hatte bei der Stiefmutter und dem Vater nie etwas geschenkt bekommen. Wir alle bekamen nichts von ihnen, aber mit Christian hatten sie es besonders schlecht gemeint. Am Anfang, in der kleinen Wohnung, gab es noch manchmal Taschengeld. Aber für Christian hatten sie nie etwas übrig. Ich weiß nicht, warum sie ihn so behandelten.

An Weihnachten hatten die Stiefmutter und der Vater uns alle überrascht. Sie schenkten Christian einen großen Karton. Der war in buntem Geschenkpapier eingewickelt. Wir alle saßen gespannt auf dem Sofa und sahen Christian dabei zu, wie er freudig sein riesiges Geschenk auspackte. In dem Karton war noch mal ein Karton, der auch in Geschenkpapier eingewickelt gewesen war. Darin kam wieder ein Karton. Ich glaube, es waren insgesamt fünf Kartons, die Christian auspackte. Übrig blieb eine kleine Schuhkiste. Wir hatten alle gespannt auf diese Schuhkiste geschaut. Christian öffnete sie langsam.

In ihr lag ein altes, verkohltes Holzbrett. Die Stiefmutter hatte es im Holzkohlenkeller aufgegabelt. Sie und der Vater hatten Christian damit geärgert. Besonders lustig konnten wir das alle nicht finden. Ich hatte nicht gewusst, was das sein sollte, was sie damit bezweckten.

Geburtstage und Weihnachten waren bei Stiefmutter und Vater die leidigsten Tage. Wir hatten gewusst, dass es besondere Tage waren, dass aber nichts Gutes von ihnen zu erwarten war.